Die (un-)geschützte Marke im Internet
20. Oktober 2009 von Michael Herrling
Derzeit geht ein Aufschrei durch die Blogosphäre, da ein weltbekannter Outdoor-Markenartikler den Schutz seiner Marke durchsetzen wollte. Das Unternehmen sah in der Verwendung von Katzenpfoten-ähnlichen Symbolen seine Markenrechte verletzt und hat einige Anbieter von Waren, die solche Symbole verwenden, rechtlich abgemahnt. Den ausführlichen Sachverhalt kann man beim Werbeblogger in folgendem Beitrag nachlesen: Jack Wolfskin eröffnet den Abmahn-Herbst!
Auf weitere Einzelheiten dieses konkreten Falles möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen – dazu wurden schon zahlreiche Beiträge verfasst, z.B. von Klaus Eck, Mike Schnorr, Nico Lumma u.v.m.
Ähnliche Fälle gab es in der Vergangenheit immer wieder, zum Beispiel Anfang September: “Jako mahnt Blogger ab”.
Die Reaktionen im Netz auf solche Vorgehensweisen sind meist ähnlich. Versuche von Unternehmen die eigenen Markenrechte mittels Abmahnung durchzusetzen, enden nicht selten mit einer heftigen Resonanz, sei es in Form von empörenden Blogbeiträgen, negativer Presse oder schlimmstenfalls mit abwandernden Kunden, die solch ein Verhalten vom Unternehmen nicht tolerieren möchten.
Die Zeiten, in denen solche Aktionen im Verborgenen, ganz ohne öffentliche Aufmerksamkeit abliefen, sind spätestens seitdem es Blogs, Twitter, Facebook und Co. gibt, vorbei. Dies scheint leider noch nicht bei allen “Markenverantwortlichen” angekommen zu sein.
Ich möchte nun eigentlich keine Diskussion über Sinn und Zweck von Markenrecht, Abmahnungen und anderen Markenschutzangelegenheiten anstoßen, sondern vielmehr auf die Auswirkungen eingehen.
Wie schnell und in welchem Ausmaß so etwas an die Öffentlichkeit kommen kann, zeigt das aktuelle Beispiel sehr deutlich. Innerhalb von wenigen Tagen verbreiteten sich Beiträge, Tweets und Kommentare im Internet so stark, dass das Thema bei der Suche des Markennamens in Google die vorderen Ränge einnimmt.
Einen Überblick hierzu liefern folgende Suchabfragen:
Reaktionen Google: http://www.google.de/search?hl=de&source=hp&q=jack+wolfskin
Reaktionen auf Twitter: http://search.twitter.com/search?q=wolfskin
Reaktionen Blogs: http://blogsearch.google.de/blogsearch?hl=de&ie=UTF-8&q=jack+wolfskin&btnG=Blogs+durchsuchen&lr=
Sicherlich wird der eine oder andere fragen, ob diese Themen überhaupt außerhalb von Blogs und Twitter wahrgenommen werden? Auch das wird im aktuellen Beispiel sehr deutlich, so wurde das Thema bereits heute von den sog. “klassischen Medien” aufgegriffen, z.B. von Spiegel Online und Focus.
Ich kann selbstverständlich gut verstehen, dass Unternehmen ihre Marken vor Missbrauch schützen möchten und müssen. Schade finde ich es persönlich nur, welche Maßnahmen hierzu teilweise ergriffen werden.
Mal ehrlich, welches Resultat hat das Unternehmen durch sein Handeln in diesem Fall erreicht?
Es hat der Marke selbst geschadet – vermutlich mehr, als die angmahnten “kleineren” Anbieter es je könnten!
Ich denke, dass dieses sowie vorangegangene Beispiele recht klar verdeutlichen, wie sehr sich in Zeiten des Web 2.0 die Kommunikation verändert hat und wie schnell manche Themen aufgegriffen und stark verbreitet werden. Was früher lediglich eine leichte Brise an wenig beachtetem Gegenwind ausgelöst hätte, kann sich heute im Internet schnell zum heftigen Orkan in aller Öffentlichkeit entwickeln.
Dies sollte man als Unternehmen bei allen Bemühungen rund um seine Marke bedenken.
Manchmal könnte vielleicht ein klärendes Gespräch im Vorfeld zielführender sein.
Gerne möchte ich hierzu auch den ersten Punkt des “Cluetrain Manifest” zitieren:
“Märkte sind Gespräche”.
Leitfaden für Marketing und CRM – Rechtssicher Werben nach neuem UWG
15. April 2009 von Michael Herrling
Aufgrund meines Beitrages: Internet-Gebot #1: Man soll keine Bilder klauen – Zwischenstand erhielt ich den Hinweis zu einem Leitfaden zum Thema: Rechtssicher Werben nach neuem UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb).
Der Leitfaden wurde von den Rechtsanwälten und Fachanwälten Päsel Reiff Seifried, Frankfurt am Main erstellt und kann auf deren Webseite unter folgendem Link im PDF-Format kostenlos heruntergeladen werden:
http://www.prs-law.de/index.php?id=rechtssicher_werben
Das Thema richtet sich speziell an Marketingabteilungen, wird aber sicherlich für alle hilfreich sein, die in irgendeiner Form mit Werbung, Vermarktung, CRM etc. zu tun haben. Hier zitiere ich mal eine kurze Beschreibung der Inhalte:
Zu diesem Thema und noch vielen anderen Themen haben wir einen kostenlosen Praxisleitfaden veröffentlicht. “Rechtssicher werben nach neuem UWG” behandelt typische rechtliche Probleme bei der Konzeption und Durchführung von Werbekampagnen. Fragen wie “Welches Material darf ich verwenden?” oder “Welche Werbemaßnahmen sind verboten?” werden in einfacher und verständlicher Sprache beantwortet. Der Leitfaden gibt zugleich einen kurzen Überblick über das Urheberrecht, das Markenrecht, das Wettbewerbsrecht und verwandte Rechtsgebiete.
Der Leitfaden zum UWG kommt gerade recht, um meine nächste Vorlesung zum Thema Verkaufsförderung zu ergänzen. Prima!
3. Marketing-Tag Bodensee
14. März 2009 von Michael Herrling
Gestern war ich auf dem 3. Marketing-Tag Bodensee, der in der Akademie Schönbühl in Lindau stattfand. Über eine Einladung des Marketingclubs Bodensee bin ich auf den Marketing-Tag aufmerksam geworden und als Marketingberater muss man natürlich die Gelegenheit nutzen, wenn schon mal hier in der Region ein Marketing-Event stattfindet.
Schwerpunkt der vom Netzwerk Bodensee organisierten Veranstaltung war in diesem Jahr: “DEMOGRAPHISCHER WANDEL Chancen und Herausforderungen für Unternehmen und Regionen”
Das Programm bestand aus folgenden Vorträgen (Programm als PDF)
- A.GE Bodensee: „Demographischer Wandel – Chancen und Herausforderungen“ -
- AUDI – „Sportliches Markenbild gepaart mit seniorengerechten Produkten“
- Emporia – „Ein Handy ohne Schnickschnack für Oma und Opa“
- Deutsche Bahn – „Erfolgreiche Ansprachestrategien für die Generation 55plus“
- HypoVereinsbank – „Bank der Generationen“
Besonders interessiert hatte mich der Vortrag von Frau Eveline Pupeter-Fellner, der Geschäftsführerin von Emporia, einem “kleinen” Unternehmen aus Linz/Österreich, das mittlerweile Weltmarktführer im Bereich Senioren-Handys geworden ist.
Ebenfalls eindrucksvoll, waren die Einblicke von Verena Heines-Mothes, wie die HypoVereinsbank Lösungsansätze entwickelt, um mit dem steigenden Durchschnittsalter der Mitarbeiter (derzeit 41 Jahre) umzugehen und den demographischen Wandel im Unternehmen als Chance zu begreifen.
Die Veranstaltung war gut organisiert und die Themen recht interessant. Besonders toll wäre es meiner Meinung nach gewesen, bei einem Marketing-Tag mit Schwerpunkt “Generation 50plus”, auch das Thema Internet und Onlinemarketing zu berücksichtigen. Gerade in dieser Generation gibt es derzeit die höchsten Zuwächse bei der Internetnutzung (ARD/ZDF-Onlinestudie 2008). Hier wird immer noch enormes Potential verschenkt und dem Abbau technischer Barrieren im Internet wird häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Vielleicht findet sich ja mal wieder eine Gelegenheit, dieses Thema näher aufzugreifen.
next08 – get realtime – mächtig was los!
19. Mai 2008 von Michael Herrling
Zwar nicht in “realtime” sondern mit etwas Abstand möchte ich hier kurz von der next08 berichten.
Etwa 1200 Teilnehmer tummelten sich bei der diesjährigen next08 Konferenz am 15. Mai 2008 im Prototyp Museum in Hamburg.
Darunter waren etliche bekannte Gesichter aus dem Web2.0 Umfeld sowie Startups, Investoren, Blogger, Unternehmer usw. Aber auch aus klassischen Werbeagenturen wurden “Abgesandte” zur Konferenz geschickt, um sich die Sache mit dem Web2.0 und den Social Communities mal näher anzusehen ;-)
Die Organisation der von SinnerSchrader realisierten Veranstaltung hat meiner Meinung nach sehr gut geklappt und das Programm hatte ein paar interessante Präsentationen zu bieten.
Was in den Vorträgen vermittelt wurde war m. E. zwar nicht in jedem Fall neu (dies hatte ich auch gar nicht erwartet), aber man hat dadurch nochmal einen guten Überblick und neue Anregungen in komprimierter Form erhalten.
Die für mich interessantesten Vorträge waren:
- Steve Rubel / Edelman – 10 Trends that Will Shape Your Digital Future
- Stowe Boyd / Message – Social revolution on the Web…
- Nate Elliott / JupiterResearch – Marketing in Real Time
- Sören Stamer / CoreMedia – Enterprise 2.0
Ansonsten kann ich mich den Anmerkungen vom Marketingblogger Michael van Laar weitgehend anschließen.
Amüsant fand ich den Elevator Pitch mit dem Motto: 10 Ideen in 30 Minuten -moderiert von Sascha Lobo, in der Rolle des “Advocatus Diaboli”. Dabei präsentierten zehn Startups ihre Geschäftsmodelle. Vor allem die Präsentation zum Anonym-Flirtservice Jupidi wurde sehr unterhaltsam vorgetragen (das Video zum Elevator Pitch gibt es hier).
Leider machten die vielen Teilnehmer und das ständige Umherwandern zwischen den jeweiligen Räumen den persönlichen Kontakt manchmal zu einem “Katz-und-Maus-Spiel” – ohne Hilfsmittel wie Telefon, Twitter und Co. war es nicht so leicht, sich auf der Konferenz zu begegnen.
Hier noch ein paar interessante Links mit Informationen rundum die next08:
- Weitere Stimmen zur next08 via Google Blogsearch und via Technorati
- Übersicht zum Programm mit Videos
- Fotos von der Konferenz auf Flickr
- Präsentationen der next08 auf Slideshare
Mundpropaganda-Marketing – eine Buchempfehlung
13. März 2008 von Michael Herrling
Wer sich mit dem Thema Marketing intensiv beschäftigt und sich vielleicht sogar als Berater und/oder wissenschaftlich mit der Vermarktung auseinandersetzt, der kann auf ein schier unerschöpfliches Repertoire an Fachliteratur zurückgreifen.
Als Marketingberater hat sich in meinem Büro in den letzten Jahren eine größere Zahl an Marketingliteratur angesammelt, von den klassischen Standardwerken bis hin zu speziellen Marketingbücher, welche sich mit Teilgebieten und Trends des Marketingmanagement beschäftigen.
Oft werde ich um Literaturtipps gebeten, sei es von meinen Kunden, Seminarteilnehmern, Bekannten oder Studenten. Insbesondere den Studenten lege ich eher die umfangreiche, wissenschaftlich aufgebaute Marketinglektüre ans Herz. Allen anderen, die sich einen Überblick zum Thema verschaffen wollen empfehle ich gerne Bücher, die leichter greifbar, besser lesbar und mit guten und aktuellen Beispielen aus der Praxis gefüttert sind.
Gute Beispiele für solche praktischen Ratgeber sind meines Erachtens einige Ausgaben der Reihe Beck-Wirtschaftsberater DTV. Bei meinen Seminaren empfehle ich seit Jahren z.B. das Buch “Das Marketingkonzept” von Prof. Dr. Jochen Becker. Dieses Buch bietet einen guten Einstieg in das Thema Marketing-Konzeption und ist eine praxisorientierte Zusammenfassung seines gleichnamigen 1024-seitigen Standardwerkes.
Für viele von uns ist die Zeit ein sehr kostbares Gut und in der Regel hat man weder die Zeit noch die Muse zum Studium umfassender wissenschaftlicher Fachliteratur. Deshalb greift man lieber zu praxisorientierten Ratgebern, die schnell und dazu noch spannend zu lesen sind.
Zum Thema “Mundpropaganda” kann ich nun ein weiteres Buch in die Liste meiner Empfehlungen aufnehmen. Das Buch “Mundpropaganda-Marketing – Was Unternehmen wirklich erfolgreich macht” das ebenfalls zur o.g. Beck-Reihe gehört, wurde von meinem Kollegen und “Fast-Nachbarn” Bernd Röthlingshöfer geschrieben. Dieses Buch möchte ich wirklich jedem ans Herzen legen, der sich mit aktuellen Marketingthemen, insbesondere der Mundpropaganda auseinandersetzen möchte.
Das Buch sollte meiner Meinung nach von jedem Unternehmer und Werbetreibenden gelesen werden. Bernd Röthlingshöfer verknüpft darin gekonnt aktuelle Trends wie z.B. die Small-World-Theorie, Memetik, Cluetrain-Manifest, Tipping-Point und das Long-Tail Phänomen und erklärt anhand vieler praktischer Beispiele, welche Punkte es zu beachten gilt, wenn man Mundpropaganda erfolgreich für sich nutzen will.
Als ich mich neulich mit Bernd über sein neuestes Buch unterhielt, hat er mich darauf hingewiesen, dass er sein Buch in erster Linie für Leser geschrieben hat, die sich noch nicht so sehr mit dem Mundpropaganda-Marketing beschäftigt haben. Nachdem ich sein Buch verschlungen habe, halte ich sein Werk jedoch sehr wohl auch für “Profis” geeignet. Er gibt dem Leser nicht nur das theoretische Rüstzeug auf eine spannende Weise mit auf den Weg, sondern ergänzt die Theorie mit zahlreichen interessanten und aktuellen Beispielen (ich muss jetzt noch schmunzeln, wenn ich an das Beispiel mit der Radarfalle denke). Sein Buch enthält zudem konkrete Handlungsempfehlungen und Checklisten.
Ich halte das Buch -wie viele aus der Reihe der Beck-Wirtschaftsberater – mit 10€ wirklich für ein sehr wertvolles Schnäppchen.
(Un-)persönliches Direktmarketing
11. März 2008 von Michael Herrling
Manchmal muss ich mich schon über die Sorgfalt bei der Durchführung mancher Direktmarketing-Aktion bzw. Mailing wundern.
Ich denke wir alle erhalten auch häufiger standardisierte, mittels EDV personalisierte Werbeschreiben oder auch Direktmailing. Die meisten Schreiben die mich erreichen, scheinen nur halbherzig durchdacht und wandern häufig sogar noch vor dem Erreichen meiner Aufmerksamkeit ins Altpapier.
Wenn ich dann aber mal mit einem anderen Namen angesprochen werde, schaue ich schon mal genauer hin. Die Anrede in einem solchen Schreiben welches ich gestern erhielt, war mir zumindest diesen Blogeintrag wert.
Es kommt gar nicht so oft vor, dass ich mit der Einleitung:
“Guten Tag, sehr geehrte Frau Mustermann” begrüßt werde.
Hier hat offensichtlich was mit der Verknüpfung mit den Adressat-Variablen aus der Datenbank nicht geklappt. So etwas kann selbstverständlich mal vor kommen – vermutlich gar nicht mal selten.
Aber, wenn man bedenkt welche Kosten so ein Mailing bei einer größeren Empfängerzahl schnell annehmen kann, ist es durchaus lohnenswert, das Mailingmaterial vor dem Versand nochmals genauer in Augenschein zu nehmen. Dies gilt selbstverständlich auch (oder ganz besonders) beim externen Direktmarketing-Dienstleister.
Denn solche “Kleinigkeiten” können das Ziel einer solchen Kampagne gewaltig verfehlen.
Studie zu Kaufentscheidungen im Web2.0
2. März 2008 von Michael Herrling
Im Rahmen seiner Abschlussarbeit geht Alexander Mock der Frage nach, wie sich das Web2.0 auf die Kaufentscheidungen von Konsumenten auswirkt.
Teil der Studie, die als Bachelorarbeit am Lehrstuhl für Marketing und Innovationsmanagement der BTU Cottbus bearbeitet wird, ist eine Online-Befragung.
Gerne komme ich seiner Bitte nach, an dieser Stelle zur Teilnahme an der Befragung aufzurufen. Die Beantwortung der 28 Fragen beansprucht ca. 10-15 Minuten.
Inhalte der Befragung u.a. (Zitat):
Dabei werden allgemeine Fragen zur Nutzung des Web 2.0 und die Wirkung von Hilfsmitteln wie Podcasts, Rezensionen etc. für die eigene Kaufentscheidung gestellt. Weiterhin werden Möglichkeiten zur Bildung einer Kaufentscheidung durch Blogs, Communities, Viral-Marketing und soziale Netzwerke wie MySpace oder studiVZ abgefragt. Die Umfrage soll weiterhin Bezugsgruppen und Opinion Leader im Web 2.0 identifizieren und deren mögliche Beeinflussung von Kaufentscheidungen darlegen. Der Zeitrahmen für die Befragung läuft noch bis 01.04.2008.
Zur Umfrage geht es hier:
http://www.umfrage-web20.de/limesurvey//index.php?sid=77215&lang=de (Link nicht mehr aktiv)
Ohne Marketing lässt sich nichts verkaufen
14. September 2007 von Michael Herrling
Novartis Chef Daniel Vasella stellte sich neulich im Schweizer Fernsehen einem Interview. Dabei ging es u.a. um seine Rolle, die Innovationsfähigkeit des Unternehmens etc.
Eine Aussage die er dort machte, möchte ich hier gerne mal kurz zitieren (frei übersetzt aus dem Schwytzerdütsch):
Zu glauben, dass man irgendetwas gut verkaufen kann, ohne Marketing zu betreiben, ist naiv.
Dem stimme ich zu!
Diese Aussage war übrigens seine Antwort auf die Frage, wieso das Unternehmen mit 10 Mrd. U$ doppelt so viel in Marketing und Werbung investiert hat, als in die Forschung.
Zu sehen gibt es das vollständige Interview im Archiv auf www.sf.tv oder direkt hier.
Da ich kürzlich wieder ein paar Leute getroffen habe, die der fälschlichen Meinung waren, Marketing sei dasselbe wie Werbung, möchte ich bei dieser Gelegenheit nochmals auf meinen Beitrag Marketing ist nicht gleich Werbung hinweisen.
Kundenverwirrung durch denglishes Fachchinesisch
14. September 2007 von Michael Herrling
Zu meinem Beitrag “Verwirrung durch Produktbeschreibungen” möchte ich Folgendes gerne noch hinzufügen:
Zunächst habe ich im JobBlog einen recht amüsanten Zusammenschnitt aus unverständlichen Interviews, Präsentationen etc. Das Video zeigt hervorragend was dabei herauskommt, wenn einem der unternehmensinterne Wortschatz über den Kopf gewachsen ist.
Aber nicht nur der IT-Bereich glänzt mit denglishen Bezeichnungen, mittlerweile sind in Unternehmen aller Branchen meist recht verwirrende Positionsbeschreibungen anzutreffen. Zum Schmunzeln sind oft auch die Titel, die in Werbeagenturen heutzutage gerne vergeben werden. Das dachte sich vermutlich auch dieser Anrufer in einer großen Werbeagentur (mp3-Datei anhören) .
Technorati tags: kundenverwirrung, fachchinesisch, denglish
Apple und die maximale Marktabschöpfung
7. September 2007 von Michael Herrling
… oder manchmal sind die Fans die Dummen.
Dass Apple keine Kunden hat sondern Fans, kann vermutlich jeder bestätigen, der sich schon einmal mit einem Mac oder iPod User über Apple Produkte unterhalten hat. Die Strapazierfähigkeit dieser Zielgruppe ist auch recht hoch, schließlich werden Macbooks nicht heiß, iPods verkratzen nicht ;-) Als Windows Nutzer der hier im Büro von kreativen Mac-Aposteln umgeben ist, kann ich davon ein Lied singen.
Diesmal allerdings hat der sonst schon fast als Guru verehrte Apple Boss Steve Jobs, etwas über die Stränge geschlagen und die Leidensgrenze seiner treuen Gefolgschaft scheint erreicht. Nachdem er verkündete, dass Apple nach ca. zwei Monaten den Preis des iPhone um von 599 U$ auf 399 U$, also um 200 U$ gesenkt habe brodelte es gewaltig in der Blogosphäre. Ein solches Verhalten ist ziemlich unfair gegenüber seinen treuesten und belastbarsten Fans, die teilweise auch noch ihre Nächte vor den Läden verbracht haben, nur um als einer der Ersten das heiß ersehnte iPhone zu ergattern.
Dass die Preise insbesondere für Produkte im Technologiebereich einem hohen Verfall ausgesetzt sind, haben vermutlich die Meisten schon selbst erlebt, z.B. nachdem man einen PC oder ein Notebook gekauft hat.
Nicht wenige Unternehmen verfolgen die Strategie, dass bei der Einführung eines Produktes zunächst ein hoher Preis verlangt wird, welcher dann nach und nach gesenkt wird. Diese Strategie hat den Zweck der maximalen Marktabschöpfung und wird im Marketing auch treffend als Skimming Strategie bezeichnet. Zur Verdeutlichung habe ich hierzu eine kleine Grafik erstellt:
In der Phase der Markteinführung wird bei der Skimming Strategie die hohe Kaufbereitschaft der Fans, Innovatoren oder sog. “Early Adopters” ausgenutzt, dass sind diejenigen die z.B. ein bestimmtes Produkt unbedingt als Erste haben wollen/müssen – ich denke jeder kennt so jemanden in seinem nächsten Umfeld ;-).
Nachdem diese Innovatoren mit dem Produkt ausgestattet sind, wird die Zielgruppe mit der nächst niedrigeren Kaufbereitschaft anvisiert und der Preis entsprechend gesenkt usw.
Ein weiterer Grund für diese Strategie ist der Wunsch nach einer schnellen Amortisation der Investitionskosten für das neue Produkt wie z.B. Entwicklungs-, Vertriebs-, Werbungskosten etc. Unternehmen nehmen bei der Skimming Strategie auch in Kauf, dass in der Einführungsphase zunächst geringere Mengen abgesetzt werden, was diesen jedoch manchmal aufgrund anfänglicher Lieferschwierigkeiten oft sehr entgegen kommt. Bei der Skimming Strategie sind die Preisspannen teils sehr unterschiedlich, bei manchen Produkten sind diese extrem hoch, bei anderen eher niedrig. Die Höhe dieser Spanne hängt stark vom jeweiligen Produktlebenszyklus ab – vom Lagerbestand natürlich auch ;-)
Die andere verfügbare Option bei der Einführung neuer Produkte nennt man im Marketing Penetrationsstrategie oder auch Durchdringungsstrategie. Hierbei wird mit einem relativ niedrigen Preis versucht, rasch einen hohen Marktanteil zu erzielen.
Wenn man nun davon ausgeht, dass Apple mit dem iPhone z.B. eine Skimming Strategie verfolgt, hat das Unternehmen dabei den entscheidenden Fehler gemacht, dass die Senkung zu schnell und zu stark ausgefallen ist (siehe Bild 2), d.h. die “High-Speed” Skimming Strategie ging hier nicht auf. Es kommt immer auch auf die richtige Dosis und das nötige Fingerspitzengefühl an.
Am derzeitigen Aufstand der Apple Fans lässt sich leicht erkennen, dass die Dosis dieses Mal nicht gepasst hat. Gründe für die schnelle Preissenkung sind u. a. schleppenden Absatzzahlen und der zunehmende Wettbewerb durch ähnliche Produkte (z.B. HTC Touch und Co. – kommt hier nicht auch von Google noch was?).
In Zeiten nahezu unbegrenzter Kommunikationsmöglichkeiten nehmen unzufriedene Kunden jedoch nicht mehr alles einfach so hin sondern wissen ihre Macht zu nutzen und schlagen zurück, z.B. durch Bloggen.
Der Druck der Fans wurde mittlerweile immerhin so groß, dass Steve Jobs sich in einem offenen Brief an die bisherigen iPhone Besitzer wendet. Als Entschädigung bietet er dort allen Betroffenen einen 100 U$ Gutschein für den nächsten Einkauf in einem Apple Store. Es ist zwar löblich, dass das Unternehmen überhaupt reagiert, jedoch wage ich zu bezweifeln, dass der Gutschein zur Besänftigung der Gemüter ausreicht. Der Gutschein ist wieder an einen Neukauf gebunden und dass ist m. E. nicht zu Empfehlen. Das Unternehmen hat hier einen Fehler gemacht und seine treuesten Kunden verärgert, da würde ich mir eine “bedingungslose” Entschädigung wünschen. Aber ich bin ja auch kein Apple Fan – noch nicht ;-)
Technorati tags: skimming strategie, penetrationsstrategie, marketing, markteinführung, apple, iphone, käufermacht

Hallo! Ich bin Michael Herrling und schreibe hier z.B. über Marketing, Kundenbeziehungen, Webentwicklung, Onlinemarketing, SEM sowie meine Tätigkeit als Berater und Dozent für Marketing- und Internetthemen.