Apple und die maximale Marktabschöpfung
7. September 2007 von Michael Herrling
… oder manchmal sind die Fans die Dummen.
Dass Apple keine Kunden hat sondern Fans, kann vermutlich jeder bestätigen, der sich schon einmal mit einem Mac oder iPod User über Apple Produkte unterhalten hat. Die Strapazierfähigkeit dieser Zielgruppe ist auch recht hoch, schließlich werden Macbooks nicht heiß, iPods verkratzen nicht ;-) Als Windows Nutzer der hier im Büro von kreativen Mac-Aposteln umgeben ist, kann ich davon ein Lied singen.
Diesmal allerdings hat der sonst schon fast als Guru verehrte Apple Boss Steve Jobs, etwas über die Stränge geschlagen und die Leidensgrenze seiner treuen Gefolgschaft scheint erreicht. Nachdem er verkündete, dass Apple nach ca. zwei Monaten den Preis des iPhone um von 599 U$ auf 399 U$, also um 200 U$ gesenkt habe brodelte es gewaltig in der Blogosphäre. Ein solches Verhalten ist ziemlich unfair gegenüber seinen treuesten und belastbarsten Fans, die teilweise auch noch ihre Nächte vor den Läden verbracht haben, nur um als einer der Ersten das heiß ersehnte iPhone zu ergattern.
Dass die Preise insbesondere für Produkte im Technologiebereich einem hohen Verfall ausgesetzt sind, haben vermutlich die Meisten schon selbst erlebt, z.B. nachdem man einen PC oder ein Notebook gekauft hat.
Nicht wenige Unternehmen verfolgen die Strategie, dass bei der Einführung eines Produktes zunächst ein hoher Preis verlangt wird, welcher dann nach und nach gesenkt wird. Diese Strategie hat den Zweck der maximalen Marktabschöpfung und wird im Marketing auch treffend als Skimming Strategie bezeichnet. Zur Verdeutlichung habe ich hierzu eine kleine Grafik erstellt:
In der Phase der Markteinführung wird bei der Skimming Strategie die hohe Kaufbereitschaft der Fans, Innovatoren oder sog. “Early Adopters” ausgenutzt, dass sind diejenigen die z.B. ein bestimmtes Produkt unbedingt als Erste haben wollen/müssen – ich denke jeder kennt so jemanden in seinem nächsten Umfeld ;-).
Nachdem diese Innovatoren mit dem Produkt ausgestattet sind, wird die Zielgruppe mit der nächst niedrigeren Kaufbereitschaft anvisiert und der Preis entsprechend gesenkt usw.
Ein weiterer Grund für diese Strategie ist der Wunsch nach einer schnellen Amortisation der Investitionskosten für das neue Produkt wie z.B. Entwicklungs-, Vertriebs-, Werbungskosten etc. Unternehmen nehmen bei der Skimming Strategie auch in Kauf, dass in der Einführungsphase zunächst geringere Mengen abgesetzt werden, was diesen jedoch manchmal aufgrund anfänglicher Lieferschwierigkeiten oft sehr entgegen kommt. Bei der Skimming Strategie sind die Preisspannen teils sehr unterschiedlich, bei manchen Produkten sind diese extrem hoch, bei anderen eher niedrig. Die Höhe dieser Spanne hängt stark vom jeweiligen Produktlebenszyklus ab – vom Lagerbestand natürlich auch ;-)
Die andere verfügbare Option bei der Einführung neuer Produkte nennt man im Marketing Penetrationsstrategie oder auch Durchdringungsstrategie. Hierbei wird mit einem relativ niedrigen Preis versucht, rasch einen hohen Marktanteil zu erzielen.
Wenn man nun davon ausgeht, dass Apple mit dem iPhone z.B. eine Skimming Strategie verfolgt, hat das Unternehmen dabei den entscheidenden Fehler gemacht, dass die Senkung zu schnell und zu stark ausgefallen ist (siehe Bild 2), d.h. die “High-Speed” Skimming Strategie ging hier nicht auf. Es kommt immer auch auf die richtige Dosis und das nötige Fingerspitzengefühl an.
Am derzeitigen Aufstand der Apple Fans lässt sich leicht erkennen, dass die Dosis dieses Mal nicht gepasst hat. Gründe für die schnelle Preissenkung sind u. a. schleppenden Absatzzahlen und der zunehmende Wettbewerb durch ähnliche Produkte (z.B. HTC Touch und Co. – kommt hier nicht auch von Google noch was?).
In Zeiten nahezu unbegrenzter Kommunikationsmöglichkeiten nehmen unzufriedene Kunden jedoch nicht mehr alles einfach so hin sondern wissen ihre Macht zu nutzen und schlagen zurück, z.B. durch Bloggen.
Der Druck der Fans wurde mittlerweile immerhin so groß, dass Steve Jobs sich in einem offenen Brief an die bisherigen iPhone Besitzer wendet. Als Entschädigung bietet er dort allen Betroffenen einen 100 U$ Gutschein für den nächsten Einkauf in einem Apple Store. Es ist zwar löblich, dass das Unternehmen überhaupt reagiert, jedoch wage ich zu bezweifeln, dass der Gutschein zur Besänftigung der Gemüter ausreicht. Der Gutschein ist wieder an einen Neukauf gebunden und dass ist m. E. nicht zu Empfehlen. Das Unternehmen hat hier einen Fehler gemacht und seine treuesten Kunden verärgert, da würde ich mir eine “bedingungslose” Entschädigung wünschen. Aber ich bin ja auch kein Apple Fan – noch nicht ;-)
Technorati tags: skimming strategie, penetrationsstrategie, marketing, markteinführung, apple, iphone, käufermacht
Wie werde ich meinen Kunden los (2) – Heute: Der abgewiesene Kundenwunsch
13. Juli 2007 von Michael Herrling
Ich habe mir vorgenommen an dieser Stelle künftig etwas über Serviceerfahrungen aus dem Alltag zu berichten. Dazu möchte von meinen eigenen und den Erfahrungen aus meinem Umfeld erzählen. Heute nun der zweite Teil zum Thema: Wie werde ich meinen Kunden los.
Jeder von uns kommt fast täglich in den Genuss, mehr oder weniger guten Service in Anspruch zu nehmen. Zur Beurteilung der Qualität einer erhaltenen Leistung, sind es häufig eher die “vermeintlichen” Kleinigkeiten oder auch “weiche Faktoren”, die ein Produkt bzw. eine Dienstleistung in einem “guten oder schlechten” Licht erscheinen lassen.
Aktuell nun ein Beispiel aus der heutigen Mittagspause in einem Café | Bar | Restaurant in Ravensburg.
Da ich dort schon öfter war, wusste ich bereits was ich bestellen wollte. Der leckere Toast mit etwas “Drumherum” schien mir heute die perfekte Lösung für meinen “kleinen” Hunger zu sein. Als die Bedienung zur Bestellaufnahme an den Tisch kam wollte ich dann diesen Toast ordern. Sie daraufhin recht unmotiviert:
“Das gehört zum Frühstück und das gibt es nur bis 12 Uhr – aber hier ist unsere Tageskarte”.
Ok… es war ja auch schon 12.14 Uhr.
Ich war nun leicht enttäuscht, da mein Hunger nicht allzu groß war und mich eigentlich eben dieser Toast “angemacht” hatte. Ich schaute mir die Tageskarte zwar an, aber da war heute leider nichts für mich dabei. Aber das spielte eigentlich eh keine Rolle, da die Bedienung gar nicht mehr vorbeikam um mich nach meiner Wahl zu fragen. Also dann… dann austrinken, zahlen, gehen (und bloggen).
Das klingt vermutlich nicht sonderlich spektakulär, dennoch möchte ich hier kurz aufzählen, was hier zu meiner Unzufriedenheit beigetragen hat. Es war nicht die Tatsache, dass ich das gewünschte Produkt nicht erhalten habe. Wie oben gesagt, es sind ja oft die Kleinigkeiten und wie heißt es so schön: “Der Ton macht die Musik”. Was hätte sie nun anders bzw. besser machen können? Was wäre, wenn sie z.B. Folgendes gesagt hätte:
“Es tut mir leid, aber wir können leider nach 12 Uhr kein Frühstück mehr anbieten, die Küche hat alle Hände voll zu tun mit der Zubereitung der Tagesessen. Aber ich kann ihnen was leckeres auf unserer Tageskarte empfehlen”.
Da hätte ich 1. Verständnis für die Situation und 2. vermutlich tatsächlich eine Alternative gewählt.
Perfekt wäre es natürlich gewesen, wenn sie gesagt hätte:
“Normalerweise können wir nach 12 Uhr leider kein Frühstück mehr anbieten, weil… aber ich schau mal ob ich nicht doch was für sie tun kann und frage in der Küche nach.”
Genau diesen Satz hatte ich genau dort schon einmal von einer Kollegin gehört und das Gewünschte erhalten.
Das Schlimmste an diesem Beispiel war jedoch für mich, dass diese Bedienung überhaupt nicht mehr an den Tisch kam, außer um die Rechnung zu kassieren. Und dass, obwohl eigentlich nicht sonderlich viel los war.
Technorati tags: kundenbindung, servicepolitik, servicequalität, kundenzufriedenheit
Wie werde ich meinen Kunden los – Heute: Das Missverständnis
19. Juni 2007 von Michael Herrling
Wenn Unternehmen standardisierte Antwortschreiben einsetzen müssen Sie damit rechnen, dass es dabei zu Missverständnissen kommen kann, die sogar zum Verlust von Kunden führen können.
Ein tolles Beispiel für ein riesiges Missverständnis ist dieser Fall:
Nico Zorn hat dem Fotowebservice Flickr aufgrund der für deutsche Kunden eingeführten Zensur ein Beschwerdeschreiben verfasst. Daraufhin erhielt er eine Antwort, die auf den ersten Blick schon sehr verblüfft, im negativen Sinne. Er hat darüber in seinem Blog berichtet und prompt nimmt die Empörung in den Kommentaren des entsprechenden Blogbeitrags seinen Lauf.
Bezogen auf den Kontext – also dem eigentlichen Anliegen von Nico Zorn als Kunden, scheint diese Antwort eine absolut unverständliche Unverschämtheit und Dummheit zu sein.
Wenn man nun -was ich eher glauben möchte- davon ausgeht, dass dies normalerweise die standardisierte Antwort auf das Kundenanliegen ist, seinen Account zu kündigen, dann wirkt der vermutlich eher witzig gemeinte Satz gleich wesentlich besser:
Wir haben eigentlich keine Lust, Ihnen das zu verraten”¦ aber”¦ natürlich können Sie Ihren Account jederzeit löschen.
Für mich ist das mal wieder eines von vielen so typischen Beispielen für Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden im schnelllebigen Alltagsgeschäft.
Wenn man nun die Möglichkeit in Betracht zieht, dass ein paar der Leser nur flüchtig über den Beitrag lesen und das Missverständnis auch hier seine Wirkung zeigt, könnte das Unternehmen dadurch auch andere, unbeteiligte Kunden verlieren. So ist sie halt, die Zeit der Weblogs!
Nun hoffe ich doch, dass das eine oder andere Unternehmen seine Kommunikationspolitik etwas überdenkt und seinen Mitarbeitern den nötigen Freiraum verschafft, um auf individuelle Anfragen auch individuell und persönlich zu antworten. Dies hätten sowohl die Kunden als auch die Mitarbeiter verdient – oder nicht?
Technorati tags: beschwerdemanagement, kundenbindung, kommunikation, flickr, käufermacht
Kundenverwirrung, Call Center und Mobilfunktarife
1. März 2007 von Michael Herrling
Wie vermutlich jeder Besitzer eines Handys, werde auch ich regelmäßig vom Call Center meines Mobilfunkanbieters angerufen und erhalte Vorschläge über “günstigere” Tarife. Generell bin ich als Kunde bin ich natürlich an solchen Angeboten interessiert, schließlich möchte ich einen Tarif, der optimal auf mein Telefonverhalten passt. Das scheint aber nicht so einfach zu sein bzw. es gibt da ein paar Dinge, die mich als Kunden an dieser Vorgehensweise ziemlich stören, um nicht zu sagen, auf die Nerven gehen.
1. Grundsätzlich wird man von den Call Centern anonym angerufen, d.h. man sieht keine Nummer auf dem Display, dies finde ich vor allem bei einem Telekommunikationsunternehmen eine absolute Frechheit und Beleidigung an meine Intelligenz “suboptimal”. Als Kunde erhalte ich das Gefühl, dass dadurch meine Neugier ausgenutzt wird und man so erhofft, dass ich 1. als Kunde dadurch eher ans Telefon gehe. 2. wird mir dadurch die Möglichkeit verweigert, den Gesprächspartner, der mir in der Regel noch nicht mal seinen Namen sagt, zurückzurufen.
2. Die standardisierte, übertrieben freundliche Gesprächstaktik vermittelt mir nicht gerade das Gefühl, ein persönliches Gespräch zu führen. Ich bekomme eher den Eindruck dass man mir was “andrehen” möchte. Nachtrag: Muss ich zurücknehmen, die letzte Anruferin war recht nett und wirkte “menschlich”.
3. Der Tarif, welcher mir am Telefon vorgeschlagen wird klingt zunächst verlockend günstig, jedoch werden mir nur die Punkte genannt, die günstiger sind als bei meinem bisherigen Tarif. KLEINGEDRUCKTES, welches ja bei Mobilfunkanbietern in ganz besonderem Maße beachtet werden will, wird am Telefon nicht erwähnt. Vielmehr wird direkt versucht, den Vertrag jetzt sofort und hier am Telefon abzuschließen.
4. Da ich mich am Telefon nicht unter Druck setzen lasse, stimme ich einer Vertragsumstellung nicht zu und schau mich erstmal auf der Website des Anbieters um und studiere versuche die Tarifoptionen inklusive “Kleingedrucktem” zu verstehen.
5. Ich lese mich kurz durch die einzelnen Tarife und verliere rasch die Lust, diese zu vergleichen bzw. anhand meiner bisherigen Rechnungen zu ermitteln, welche Option für mich nun die Günstigste wäre. Da gibt es Pakete mit Inklusivminuten, die zwar in alle Netze gelten, jedoch die erste Minute immer voll anrechnen, dann gibt es welche mit Grundgebühren und günstigen Minutenpreise innerhalb des Anbieternetzes und weniger günstige für die anderen Netze, der eine rechnet im Minutentakt, der andere im Sekundentakt etc. pp.
6. Da ich das Tarifangebot recht verwirrend finde und keine Lust und Zeit mehr habe, tendiere ich dazu, alles beim Alten zu belassen. Wollte ich nun den tatsächlich für mich “besten” Tarif ermitteln, müsste ich enorm viel Zeit aufwenden, um meine Telefonrechnungen detailliert zu prüfen, angefangen von der durchschnittlichen Gesprächsdauer, Anteil an Anrufen in fremde Netze, Tageszeiten usw. Ich habe hierzu weder Zeit noch Geduld und einen Studenten zu suchen, welcher diese Aufgabe durch eine Diplomarbeit löst, halte ich für wenig sinnvoll ;-).
Irgendwie sehe ich nicht ein, wieso ich mir die Arbeit machen soll, da doch der Anbieter all diese Informationen besitzen sollte. Wieso habe ich keine Möglichkeit z.B. Online die verschiedenen Rechenspielchen vorzunehmen? Wieso habe ich das Gefühl, dass der angebotene Tarif für den Abieter günstiger wäre als für mich?
7. Es gibt ja mittlerweile verschiedene Theorien, (welche ich auch vertrete), dass Kundenverwirrung zum Nichtkauf führen kann. Genau dass scheint mir gerade in diesem Fall so zu gehen. Ich fühle mich etwas vera….t und bin mit der Situation und dem Anbieter unzufrieden. Als einzige Wechselbarriere sehe ich zunächst die Tatsache, dass die anderen Anbieter nach dem selben Schema verfahren. Deshalb war und ist es hier nicht nötig, den genauen Anbieter zu nennen, da ich diese Tarif-Verwirrungstaktik auch bei denen finden konnte.
8. Das ist m. E. keine gute Kundenorientierung und so lassen sich Kunden nicht dauerhaft mit dem Unternehmen (ver-)binden. Diese (bewußt?) erstellten Wechselbarrieren werden durch meinen Ärger zunehmend geringer und ich werde wohl die in 7. erwähnte Wechselhürde überspringen und in den nächsten Wochen eine passende Lösung finden und meinen Anbieter nach mehr als 10 Jahren wechseln. Schade eigentlich!
Top 100 Business Blogs
26. November 2006 von Michael Herrling
Die Liste der 100 wichtigsten deutschsprachigen Corporate Blogs wurde in der letzten Woche aktualisiert.
Der marktpraxis_blog ist erstmals in der Kategorie MarKom (Marketing / Kommunikation) gelistet und das an einem recht ordentlichen Platz. Wie hätte es Dieter-Thomas Heck in seiner Hitparade so schön gesagt? “Unser Neueinsteiger in dieser Woche ist der marktpraxis_blog von 0 auf Platz 42“.

Darüber freue ich mich natürlich sehr, vor allem deshalb, weil ich mit dem marktpraxis_blog erst seit dem 11. Mai diesen Jahres online bin.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich eine kleine “Halbjahres-Bilanz” ziehen. Der marktpraxis_blog hat zahlreiche positive Begleiterscheinungen mit sich gebracht. In dieser kurzen Zeit konnte ich viele neue und interessante Bekanntschaften machen, ich konnte mich mit etlichen Kollegen auf diesem Gebiet austauschen, vernetzen und neue Dinge dazulernen. Außerdem sind die Besucherzahlen auf meiner Website seit dem Start des marktpraxis_blog enorm gewachen.
Ein weiterer positiver Effekt ist die bessere Auffindbarkeit bei Google , wie man z.B. bei der Suche nach dem Begriff “Käufermacht” sehen kann:

Auf die Frage was denn eine gute Kundenbeziehung ausmacht, wird als passende Anwort an erster Position der marktpraxis_blog gelistet.

Damit kann man nach einem halben Jahr doch recht zufrieden sein. Vor allem da ich mit meiner Beratungstätigkeit und dem marktpraxis_blog dazu beitragen möchte, die Beziehung von Unternehmen zu ihren Kunden zu verbessern und die zunehmende Bedeutung von guten Kundenbeziehungen zu vermitteln. Bei steigender Käufermacht werden Maßnahmen zur Festigung der (freiwilligen) Kundenbindung immer wichtiger.
In diesem Sinne werde ich weiter “bloggen” und bin gespannt darauf, was das nächste halbe Jahr alles so mit sich bringen wird.
Tags: corporateblog, marktpraxis, top100, google
Die Rache des frustrierten Kunden
2. November 2006 von Michael Herrling
Das Web2.0 bringt grundlegende Veränderungen mit sich. Besonders für Unternehmen und deren Marketing ist deshalb in vielen Bereichen ein Umdenken erforderlich. Klassische Werbe- und PR-Strategien funktionieren oft nicht mehr wie gewohnt. Die Bedeutung des Empfehlungsmarketing, bzw. Mund-zu-Mund-Propaganda wächst zunehmend, nicht zuletzt dadurch, dass die Verbraucher über das Internet verstärkt miteinander kommunizieren können. Vor der Entscheidung für oder gegen einen Kauf werden häufig die Meinungen anderer Konsumenten eingeholt, z.B. über Weblogs, Foren oder spezielle Testbericht-Plattformen wie QYPE, ciao oder dooyoo etc.
Die Macht der Verbraucher nimmt bei ständig wachsenden Angeboten zu und das Verhalten von Konsumenten wird immer weniger kalkulierbar bzw. kontrollierbar. Die vielen Vernetzungsmöglichkeiten des Internets, besonders durch das Web 2.0, werden nicht nur zur Kommunikation vor einem Kauf, sondern auch nach einem Kauf genutzt. Konsumenten können z. B. bei schlechten Serviceleistungen ihren Frust einer wesentlich größeren Anzahl Personen mitteilen als bisher.
Diese “neue” Macht des Verbrauchers ist ein weiterer und vor allem sehr ernst zu nehmender Grund für Unternehmen, eine beschwerdefreundliche Unternehmenskultur zu schaffen und sich verstärkt mit einem kundenorientierten Beschwerdemanagement zu beschäftigen.
Informationen lassen sich heutzutage sehr einfach via Internet mit einer rasanten Geschwindigkeit, an eine große Anzahl Empfänger verbreiten. Eine Konsequenz von Unzufriedenheit ist die negative Mund-zu-Mund-Propaganda (auch Word-of-Mouth oder Buzz Marketing), welche schlimmstenfalls auch dazu führt, dass andere Kunden abwandern.
In empirischen Studien wurde bereits nachgewiesen, dass unzufriedene Kunden ihre negativen Erfahrungen an weit mehr Personen berichten, als zufriedene Kunden ihre positiven Erlebnisse. Viele Unternehmen berücksichtigen leider noch unzureichend, dass sich die Auswirkungen dieses Multiplikatoreffekts durch das Internet drastisch verstärkt haben.
Der unzufriedene Kunde beschränkt sich längst nicht mehr “nur” auf sein persönliches Umfeld.
Die virale Verbreitung negativer Mund-zu-Mund-Propaganda hat durch das Internet neuartige Dimensionen angenommen und die Zahl der möglichen Empfänger übersteigt vermutlich die Anzahl der Empfänger bei positiven Empfehlungen. Dadurch wird deutlich, welchen Stellenwert die Bemühungen zur Erreichung einer hohen Kundenzufriedenheit für Unternehmen einnehmen sollte.
Der Kunde in folgendem Video war offenbar sehr unzufrieden mit der Abwicklung seiner Beschwerde. Dies bewegte ihn zu einer recht kreativen und aufwändigen (offline) Aktion, welche er nun auch im Internet via YouTube verbreitet hat.
Gefunden bei: Ed Wohlfahrt und customer of hell
Wer kontrolliert die Marke?
10. Oktober 2006 von Michael Herrling
Cornelia Kunze, CEO von Edelman Deutschland schreibt im media coffee blog über die wachsende Macht der Verbraucher und den Kontrollverlust von Unternehmen über ihre Botschaften. Sie geht der Frage nach, ob man Word of Mouth, bzw. Mund-zu-Mund Propaganda noch kontrollieren bzw. steuern kann.
Besonders die vom “Controllerismus” befallenen Unternehmen tun sich vermutlich schwer mit dem Gedanken, Kontrolle abgeben zu müssen. Dabei haben sie dies vielleicht bereits getan, ohne es zu wissen. Verlust bedeutet meist etwas Negatives und es wird (oft krampfhaft) versucht, an alten Strukturen festzuhalten und verpasst dadurch u. U. den Anschluss an die Realität und vergeudet wertvolle Ressourcen.
Welchen Einfluss die Konsumenten bereits auf Marken haben, wurde auf dem Chance Web 2.0 Kongress in Köln durch den Vortrag von Martin Oetting sehr schön dargestellt. Dass wir die Kontrolle bereits verloren haben schrieb z.B. auch Ed Wohlfahrt, zu diesem Thema.
Unternehmen fehlt es oft an Mut, sich diesem Kontrollverlust zu stellen. Es werden die Chancen nicht erkannt, welche sich durch eine aktive Einbeziehung der Kunden, für die Unternehmens- und Produktentwicklung bieten. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch der Umgang mit Beschwerden. Oft werden Kunden die sich beschweren als Nörgler und Beschwerden allgemein als Last empfunden, anstatt sie aktiv dazu aufzufordern und diese recht kostengünstige Form der Kundenfeedbacks für den eigenen Verbesserungsprozess zu nutzen – Stichwort: Beschwerdemanagement.
Unternehmen, bei denen solche Denkstrukturen noch in der Unternehmenskultur verankert sind, dürften es meiner Meinung nach recht schwer haben, sich künftig erfolgreich am Markt zu behaupten und die Chancen der dieser Veränderungen gewinnbringend für sich zu nutzen, es sei denn, man ist ein Monopolist.
Gute Kundenbeziehung? – Nachtrag
4. Oktober 2006 von Michael Herrling
Nachdem ja bereits von und über die eine Seite schon Einiges geschrieben wurde, hat sich nun auch die andere Seite öffentlich geäußert (via PDF). Basta Ya!
Gute Kundenbeziehung?
2. Oktober 2006 von Michael Herrling
Auf marketing-blog.biz habe ich heute Vormittag einen Beitrag geschrieben mit dem Titel: Gute PR – Schlechte PR.
In diesem Artikel hatte ich einen Fall geschildert, in dem ein Geschäftsführer einer Internetplattform (Unister) versucht, einen Blogbeitrag eines Nutzers mit Nachdruck zu verhindern.
Auf problematik.net gibt es zu dieser Angelegenheit nochmals eine recht ausführliche Zusammenfassung sowie eine Auflistung der vernetzten Weblogs, welche sich diesem Thema widmeten.
Mob Shopping – die Macht der Kunden
6. Juli 2006 von Michael Herrling
In China wird derzeit eine erweiterte Form eines sog. Flash Mobs praktiziert. Dabei verabreden sich eine größere Anzahl Personen im Internet zum gemeinsamen Einkauf eines Produktes. Anschließend stürmt die Meute das Geschäft und verlangt im Kollektiv einen hohen Rabatt für einen bestimmten Artikel, wogegen sich der Ladenbesitzer nur sehr schwer wehren kann. Websites wie Teambuy organisieren diese neue Form des Shoppings. Man darf gespannt sein, ob dieser Trend von Kunden in anderen Ländern importiert wird und wie sich die Händler darauf vorbereiten.
Gefunden bei: Werbeblogger via TechCrunch
Hallo! Ich bin Michael Herrling und schreibe hier z.B. über Marketing, Kundenbeziehungen, Webentwicklung, Onlinemarketing, SEM sowie meine Tätigkeit als Berater und Dozent für Marketing- und Internetthemen. 